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21er Raum: Das Begreifen

01. Dezember 2016 bis 22. Januar 2017
21er HausBelvedere
Der Ausdruck „Begreifen“ bezeichnet den Prozess des geistigen Erfassens und wird als Synonym für „Verstehen“ verwendet. Etymologisch lässt es sich von der physisch-haptischen Tätigkeit des Abtastens herleiten. Die Ausstellung kreist um die Zusammenhänge zwischen manueller Tätigkeit und intellektueller Rezeption. So befassen sich sämtliche Arbeiten mit der Hand, die sowohl für die Wahrnehmung als auch für die (Hand)lung als Werkzeug verwendet wird.  
 
Mit Arbeiten von Heinrich Dunst, VALIE EXPORT, Franziska Kabisch, Barbara Kapusta, Peter Weibel, Tina Schulz und Javier Téllez
VALIE EXPORT widmet sich in ihrer Arbeit Sehtext: Fingergedicht dem Thema der visuellen Sprache und nutzt die Finger und Hände wie eine Gebärdensprache als Mittel zum Ausdruck von geistigen Inhalten. Auch Heinrich Dunst spielt in seiner Arbeit mit den Wirkungsbereichen der Hand. In einem Monolog spricht er seinen Körperteilen Funktionen zu, die sie eigentlich nicht primär innehaben.
In der Videoarbeit Hand Catching Lead Without Lead rekonstruiert Tina Schulz ein Video von Richard Serra von 1971, in dem eine Hand Blei zu fangen und zu formen versucht. Tina Schulz eignet sich diese Gesten an und wiederholt sie – allerdings ohne Blei. Übrig bleiben die scheinbar ziellosen Bewegungen der Hand.
Um die soziale Kommunikation rund um die Hände geht es auch in Franziska Kabischs Werk. Ausgehend von den an vielen Universitäten bestehenden Professorengalerien wird in ihrem filmischen Werk darüber nachgedacht, wie sich Wissensproduktion und wissenschaftliche Normen in Haltungen und typischen (Hand)lungen  manifestieren.
 
Javier Téllez Videoarbeit zeigt, wie das Verhalten des Menschen von seiner Wahrnehmung beeinflusst wird. Angelehnt an eine jahrhundertealte, indische Parabel ertasten sechs blinde Frauen und Männer verschiedene Teile eines Elefanten. Ausgehend vom jeweiligen Tasterlebnis beschreibt jeder eine andere Wirklichkeit. Die subjektive Wahrnehmung führt in diesem Fall zu keiner objektiven Realität. Das Video wird unter dem Titel Letter on the Blind, For the Use of Those Who See während der Ausstellung im Blickle Kino gezeigt.
 
Das „Sehen“ mit der Hand und die Erfahrung steht auch im Zentrum von Barbara Kapustas Werk. Das Video zeigt ein Seil, dass die Künstlerin blind mit ihrer Hand erkundet, während sie ihren Eindruck des Vorgangs mit einem Gedicht umreißt. Die emotionalisierte Darstellungsweise fordert den Betrachter zu mehr Achtsamkeit im Alltag auf. Peter Weibel wiederum hinterfragt in einem Schriftstück die Beweisbarkeit der Existenz von Dingen, Vorgängen und Verhältnissen.

Kuratiert von Severin Dünser.